Uebertragung im Theater

Theorie und Praxis theatraler Wirkung

By Eva Holling

[Text is in German] Ausgehend von der Struktur der Uebertragung nach Jacques Lacan entwickelt Uebertragung im Theater eine Methode der Auffuehrungsanalyse, die darstellende Kunst als genuin intersubjektiv und damit potentiell sozial und politisch definiert. Die Uebertragungsstruktur bildet dabei die Voraussetzung fuer Wirkungen des Theaters, die strukturell der Liebe verwandt sind. Theater ist als gegenseitige, subjektivierende Struktur von Praesentieren und Zuschauen zu begreifen: Es interpelliert seine Subjekte und arbeitet mit Fiktionalisierungen der Funktionen von Buehne wie Publikum. Die vorliegende Studie fragt also ausgehend von der subjektivierenden Struktur der uebertragung nach dezidiert 'theatralen Subjekten' und ihren Funktionen - und somit nicht nach Wirkungen des Theaters auf Subjekte, sondern nach Subjektivierung als Wirkung des Theaters. Das Subjekt gilt dabei immer als begehrendes, das in der uebertragung eine ueberraschende, weil eigentlich grundlose Wertunterstellung vornimmt - es sieht einen wertvollen Kern dort, wo 'nichts' ist. uebertragung kann so die Anlage zur Instrumentalisierung von Subjekten beguenstigen und benennt intersubjektive Machtstrukturen, daher laesst sich mit ihr das Politische im Dispositiv darstellender Kunst diskutieren - und auch in anderen Dispositiven. Unterschieden wird hier zwischen Prozessen, die instrumentelle, und jenen, die experimentelle Umgangsweisen mit uebertragung in der aesthetischen Erfahrung ausagieren. Beispiele von Forced Entertainment, Marina Abramovic, Rimini Protokoll, Kate McIntosh u.a. bilden Reflektionsraeume fuer diese ueberlegungen.


Publication Date: 5/31/2016
Format: Paper
ISBN: 9783958080430