Mit dem Tod tanzen

Tod und Totentanz im Film

Edited by: Jessica Nitsche

[Text is in German] Wenn es eine Taetigkeit gibt, die in besonderem Masse Leben und Lebendigkeit symbolisiert, so ist es der Tanz. Was aber, wenn es nicht die Lebenden sind, die tanzen, sondern die Toten? - Das Motiv des Totentanzes kann auf eine jahrhundertelange Tradition zurueckblicken. Seit dem ausgehenden Mittelalter nahm man sich den zum Leben erweckten Toten, die die wahrhaft Lebenden unabhaengig von Alter, Geschlecht und Stand heimsuchen, durch alle Epochen hindurch an. Entstanden sind Darstellungen des Todes in Form lebendiger Skelette, die sich unter die Menschen mischen und diese zwingen, ihnen in den Tod zu folgen - mal stehen sie still in deren Ruecken, mal zerren sie an ihnen oder fallen zu Pferde ueber ganze Doerfer her, mal bleiben sie in tanzenden oder musizierenden Gruppen unter sich. Sie sind mit Pfeil und Bogen ausgestattet, mit Trommel, Pfeife oder Dudelsack; sie koennen hinterlistig und grausam erscheinen, jedoch ebenso gesellig und lustig. So fern das Mittelalter auch erscheinen mag, so nah ist uns doch das, was der Totentanz zum Thema macht: Die Unvorstellbarkeit des Todes wie auch dessen gerne verdraengte Allgegenwart. Mit dem Tod tanzen hat einen spezifischen Fokus gewaehlt - das Buch nimmt den Totentanz im Kontext des Films in den Blick. Anders als Gemaelde, Fresken, Grafiken birgt dieses Medium durch seine Eigenschaft, stillgestellte (,tote') Bilder in (,lebendige') Bewegung zu versetzen, die Moeglichkeit, den Tod tatsaechlich ,zum Tanzen zu bringen'. Aufgrund dieser medienontologischen Analogie verwundert es nicht, dass der Film im 20. und 21. Jahrhundert zu einem neuen Verhandlungsort des Totentanzes wird und sogar das Medium selbst mit einem solchen assoziiert wird. Wie entwickelt die Filmgeschichte das traditions?reiche Motiv des Totentanzes weiter - welche Elemente werden aufgegriffen, welche verworfen? Wie nutzt er seine Potentiale, um erzaehlen und mit bewegten Bildern arbeiten zu koennen? Diese und andere Fragen werden innerhalb des Bandes an vielfaeltigen Beispielen aus der Filmgeschichte untersucht, die vom expressionistischen Stummfilm der 1920er bis ins Hollywoodkino der 2010er Jahre, vom Dokumentar- und Trickfilm bis hin zu Videos aus dem Kontext der zeitgenoessischen Kunst reichen. Erkundet werden u.a. Filme von Fritz Lang, Walt Disney, Sergei Eisenstein, Pier Paolo Pasolini, Terence Malick, Quentin Tarantino, Wim Wenders und Lars von Trier.


Publication Date: 2/25/2015
Format: Paper
ISBN: 9783943414585


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