Hybride juedische Identitaeten

Gemischte Familien und patrilineare Juden

Edited by: Lea Wohl von Haselberg

[Text is in German] Viele Juedinnen und Juden lieben nichtjuedische Partner_innen, leben und haben Kinder mit ihnen. Die Vorstellung von ,Juden' und ,Nichtjuden' als klar unterscheidbaren Gruppen ist ueberholt. ,Gemischte' Familien und Partnerschaften sind stattdessen Teil der zeitgenoessischen Lebensrealitaet im deutschsprachigen Raum und darueber hinaus. Der nicht unumstrittene Begriff des Hybriden, urspruenglich aus Botanik und Biologie entlehnt und im 19. Jahrhundert in die Rassenlehre uebernommen, wo er negativ besetzt wurde, findet seit einigen Jahren in diversen Bereichen der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften wieder Verwendung. Dort richtet sich das Interesse auf Begegnungen, Vermischungen, uebergaenge, uebersetzungen und Neuschoepfungen. Daraus entstehen Fragen nach Inklusion und Exklusion, welche Formen ,Vermischungen' oder ,Hybridisierungen' in konkreten Kontexten annehmen und in welchen kulturellen Praktiken und Identitaetskonstruktionen sich diese aeussern. Solche Fragen stellen sich auch fuer zeitgenoessische juedische Lebensentwuerfe: Versteht man Identitaeten als reflexive Prozesse des Selbstverstehens, des Entwickelns von sich immer in Veraenderung befindlichen Selbstbildern und als eine Beziehung, zeigt sich, wie bedeutsam der Kontakt mit anderen und das Erfahren von Fremdwahrnehmung durch andere ist. Widerspruechliche Definitionen von Juedischsein fuehren hier zu Herausforderungen fuer gemischte Familien. Die Komplexitaet resultiert u.a. aus den verschiedenen Ebenen zeitgenoessischer juedischer Identitaet, wie der kulturellen, der religioesen und nach der Shoah der historischen Ebene der Familien- und Verfolgungsgeschichte. Der Band Hybride juedische Identitaeten versammelt die Vortraege der gleichnamigen internationalen Tagung, die im November 2012 am Erziehungswissenschaftlichen Institut der Universitaet Zuerich stattgefunden hat. Die Autor_innen bringen nicht nur Perspektiven unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen, wie der Psychologie, der Soziologie, der Kultur- und Literaturwissenschaft sowie der Psychoanalyse zusammen, sondern untersuchen auch unterschiedliche nationale Zusammenhaenge und Spezifika. Der Sammelband buendelt damit erstmalig Forschungen zu gemischt juedisch-nichtjuedischen Familien und deren Selbstverstaendnissen und Erfahrungen. Mit Beitraegen von Elisabeth Beck-Gernsheim, Pearl Beck, Michal Bilewicz, Christina von Braun, Micha Brumlik, Lars Dencik, Madeleine Dreyfus, Joela Jacobs, Catherine Gransard, Birgitta Scherhans, Adrian W?jcik, Christa Wohl, Ruth Zeifert und einer Einleitung von Lea Wohl von Haselberg.


Publication Date: 12/4/2015
Format: Paper
ISBN: 9783943414523


Temporarily out of stock.